Der Paris-Hilton-Faktor

18. Mai 2009 von Annette Zoch

Annette Zoch schreibt:

Jeder Grüne-Woche-gestählte Landwirtschaftsminister kann ein Lied davon singen: Als Politiker muss man sich regelmäßig öffentlichkeitswirksam mit den regionalen Spezialitäten des Wahlkreises den Wanst vollschlagen. Insofern verwundert der Internet-Auftritt der beiden badischen CDU-Europaabgeordneten Andreas Schwab und Daniel Caspary erstmal nicht: www.silvaner-fuer-europa.de Schließlich wird die traditionsreiche Rebe heuer 350 Jahre alt.

Allerdings: Der Link www.silvana-fuer-europa.de führt auf dieselbe Seite – und dann klingt die blumige Rebsorten-Beschreibung schon wieder ganz anders. „Es gefällt vor allem die eher blass-gelbe helle Farbe. Geschmacklich mild und eher neutral, gelegentlich auch vollmundig. Oft leider mit einem leicht säuerlichen Abgang“, schreiben Schwab und Caspary. „Fachleute bemerken außerdem den relativ leichten Gehalt.“ Und:  „In den letzten Jahren ist der Flächenanteil der Silvaner-Rebe spürbar zurückgegangen. Mittlerweile sieht man sie leider nur noch selten bei uns in der Region - dabei ist die Marke Silvaner durch breit angelegte Kampagnen in der Öffentlichkeit gut etabliert.“

Stimmt – und innerhalb der FDP hat die liberale Europa-Spitzenkandidatin jetzt ihren Spitznamen weg. Silvaner – äh – Silvana Koch-Mehrin selbst möchte zu der weinseligen Verballhornung ihrer Person übrigens nichts sagen.

Dabei sei die Homepage „nicht als gehässige Attacke“ gemeint, sagt Andreas Schwab: „Ich finde es ja gut, dass Silvana Koch-Mehrin so ein bisschen den Paris-Hilton-Faktor ins EU-Parlament bringt. Aber wir wollten zeigen, dass Europapolitik nicht unbedingt nur mit schönen Bildern in der Bunten zu tun hat.“ Schwab und Caspary wären übrigens bereit, die Homepage an die echte Silvana abzugeben. „Für eine Kiste ordentlichen Wein ließen wir mit uns reden“, sagt Schwab. Allerdings wäre ihm Weißburgunder lieber – Silvaner mag er nicht so besonders.

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