Der eigentliche Bundespräsident

22. Mai 2009 von Frank Müller

Frank Müller schreibt:

Vorhin lief im Großraum hier auf einem der Fernseher ein Interview mit Richard von Weizsäcker. Und da war es wieder, das wohlige B-Gefühl. Wer auch immer gerade Bundespräsident ist, Köhler, Rau, Herzog oder ab morgen vielleicht Schwan: Der eigentliche Bundespräsident ist immer noch jener von Weizsäcker.

dpa_177564009D12139D.jpgNie hat man die optimale Staatsoberhaupt-Mixtur vortrefflicher zusammengesetzt gesehen: Das schlohweiße Haar. Der Charakterkopf. Der vornehme Sprachduktus, hinter dem nicht etwa Leere, sondern stets Substanz steckt. Die Bereitschaft, gerade den eigenen Leuten auf die Nerven zu fallen, wenn’s sein muss. Wenn das Amt je ausgefüllt wurde und nicht bloß auf diese oder jene Weise interpretiert, dann war es durch Richard von Weizsäcker. Mal ganz abgesehen davon, wie beneidenswert fit er mit knapp 90 Jahren wirkt.

Und bevor das jetzt hier zur Schwärmerei wird: Ja, ich finde auch, dass Deutschland durch Horst Köhler eigentlich ganz gut vertreten wird. Und ja, ich bin auf der anderen Seite auch der Ansicht, dass Gesine Schwan keine schlechte Figur abgibt, wenngleich sie sich am Ende ihres Wahlkampfs ein wenig verzettelte. Und nochmal ja, ich finde sogar, dass Peter Sodann in seiner koboldhaften Politclownerie für eine gewisse Bereicherung dieses Präsidentenwahlkampfs gesorgt hat.

Nur: Welche Rolle spielen bei all diesen Gedanken, die sich viele Mitbürger machen, eigentlich Parteien und Politik? Nur eine untergeordnete. Deswegen ist es falsch, dass die Wahl am Samstag von Abgeordneten und Parteien entschieden wird, dass sie eingebettet ist in das Strategie-Tauziehen dieses Superwahljahres. Die Wahl eines Präsidenten ist mehr als jede andere eine Persönlichkeitsentscheidung. Es ist also höchste Zeit, dass das Volk den Präsidenten wählt.

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