Frank Müller schreibt:
Wenn der Eindruck nicht täuscht, prallen gerade ein paar Welten aufeinander, Online- und reale Welten (ähm, sofern dieser Unterschied noch irgendeinen Sinn macht). Und das nicht nur bei Vodafone: Deren aktuelle Web-2.0-Kampagne hat sich in der Online-Gemeinschaft bekanntlich zu einem herausragenden Rohrkrepierer entwickelt und mittlerweile sogar eine seiner Trägerfiguren, Bloggerin Ute Hamelmann, nach einer Online-Protestwelle zum Ausstieg aus ihrem eigenen Blog bewegt. Zwischenfazit dieses Falls: Die Zielgruppe reagiert sensibel, bisweilen auch hysterisch, und versteht jedenfalls verdammt wenig Spaß, wenn sie das Gefühl hat, nur benutzt zu werden.
Die Lektion lernt vielleicht auch gerade Hape Kerkeling (oder sein Management, die Constantin als seine Filmfirma oder wer immer gerade seine aktuelle Web-2.0-Kampagne steuert). Unter seinem Alter Ego “Horst Schlämmer” betreibt er gerade einen wirklich lustigen Pseudo-Wahlkampf für eine fiktive Partei HSP, die den nächsten Bundeskanzler stellen will - natürlich Horst Schlämmer. Das ganze ist PR für den am 20. August startenden neuen Schlämmer-/Kerkeling-Film. So weit, so gut, so witzig. Nur: Natürlich geht so etwas auch nicht mehr ohne soziale Netzwerke ab. Bei Facebook war Schlämmer schnell präsent, gewann Freunde, Fans und Kommentare. Und startete dann dort im Schlämmer-Jargon einen Aufruf an die Fangemeinde, auf seine eigentliche Homepage zu wechseln und sich dort neu zu registrieren:
“meine lieben freunde! ab sofort ist die richtige wahlkampfseite online. geht bitte alle auf www.waehle-schlaemmer.de und meldet euch dort als unterstützer an. wir bekommen bestimmt die gleichen guten zahlen wie hier, oder? und nur so erfährt auch der rest der welt das wir eine so starke gemeinschaft sind!”
Das kam nicht gut an. In den Kommentaren der Facebook-User hieß es unter anderem:
“ich drück mal auf verbergen, der kommerz nervt mich jetzt escht horst”
“wieder ein neues Netzwerk? langsam wird’s unübersichtlich…”
“jaja … und schon braucht ma uns hier nicht mehr …. so schnell geht das …. ;-)”
Und dass “Horst” mit folgendem Statement schnell nachzog, machte die Sache eher noch peinlicher:
“freunde, isch weis nich was das soll. jede partei und jeder film hat eine seite und ich freue mich wirklich das meine nun fertisch is. dort wird das komplette programm zu finden sein, jede menge gewinnspiele und vieles mehr. natürlich werden wir euch auch hier weiter mit informationen versorgen. also keine sorge. euer horst s.”
Jede Menge Gewinnspiele und vieles mehr, na prima. Das ist gewiss der Tonfall, in dem die aufgeweckte 2.0-Gemeinde angeredet werden will. Das Problem, dass sie einfach den Ton nicht richtig treffen wollen, weil sie sich des neuen Mediums nur bedienen wie jedes anderen PR-Kanals, das haben schon viele Originalpolitiker mit ihren peinlichen Tweets (”bin jetzt im Festzelt, Bombenstimmung”). Wenn dann aber einer wie Kerkeling darauf reinfällt, der angetreten ist, Politikerwahnsinn zu karikieren, dann wird’s doppelt kurios. Und noch in anderer Hinsicht war der Pseudopolitiker Schlämmer seinen echten Antivorbildern ähnlicher, als man gedacht hätte: Kumpanei mit der Bild-Zeitung, die die Startwerbung übernahm und dafür zu Beginn sogar auf der Schlämmer-Homepage www.waehle-schlaemmer.de integriert wurde. Auch das wurde in einigen Facebook-Kommentaren übellaunig registriert.
Das alles macht Schlämmers/Kerkelings Witze nicht weniger lustig. Aber wenn man sich sozialer Netzwerke bedienen will, um etwas zu verkaufen, dann lässt man solche PR-Schüsse ins eigene Knie lieber sein. Nicht dass es einem am Ende ergeht wie Komikerkollege Brüno: Gerade macht die Geschichte aus der Time die Runde, wonach mieses User-Echo bei Twitter von einem Tag auf den anderen für einen Kinobesucher-Einbruch um 40 Prozent gesorgt haben soll. So etwas passiert in Zeiten der Web 2.0-Kommunikation ganz schnell.
Tags: Brüno, Facebook, Hape Kerkeling, Horst Schlämmer, Ute Hamelmann, Vodafone


Ich denke auch, dass man hier einfach nur mit Biegen und Brechen versucht hat, bei der ganzen Sache mtzumischen. Letztendlich der Erfolg aber nicht so war, wie man sich das vorgestellt hatte. Meiner Meinung nach sollte Vodafone einfach wieder ihre Kriterien an den richtigen Stellen anbringen und an Dingen arbeiten, die auch tatsächlich im vollen Umfang von denen durchgesetzt werden können.
Ja es wollen eben alle ein Stückchen vom 2.0 Kuchen abhaben, aber ich habe auch wirklich das Gefühl, dass da ganz viel einfach mit Hauruck übers Knie gebrochen wird. Da wäre es wahrscheinlich sinnvoller sich auch noch auf ein paar gute alte Werbewerte zu besinnen und nur einen Schuss 2.0 zu verwenden.