“Wir sind schmierig und populistisch”

13. August 2009 von Anja Timmermann

Anja Timmermann schrieb:

Hopfenpost proudly presents: Wir hatten unser erstes Interview! Für ein Doppelgespräch mit Martin Sonneborn, dem Partei-Parteivorsitzenden, und Alexandra Kamp, First Lady von Horst Schlämmer, wurde ausdrücklich die Hopfenpost angefragt. Netterweise haben wir das Stück dann auch für unsere große Print-Schwester AZ angefertigt, hier dafür die volle Länge des Gesprächs über mehr oder weniger freiwillige Satire, Kopulationspartner (oder so) und Mitleid mit der SPD.

HOPENPOST: Herr Partei-Parteivorsitzender, Frau künftige First Lady Schlämmer, würden Sie gerne miteinander koalieren oder betrachten Sie sich als politische Gegner?
KAMP: Ich kopuliere nur mit meinem Mann.
SONNEBORN: Ich bin verheiratet, tut mir leid, da ist nichts drin für Sie. Aber nein, Schlämmer ist keine ernsthafte politische Konkurrenz, der Bundeswahlleiter würde ihn gar nicht zulassen. Das ist genauso eine unseriöse Spaßpartei wie die FDP.
HOPFENPOST: Dann vielleicht Frau Pauli? Sehen Sie sie als möglichen Koalitionspartner, immerhin ist sie mittelfreiwillig auch ein wenig im Satire-Sektor, mal ganz abgesehen davon, dass sie ja auch nicht zugelassen wurde so wie Sie, Herr Sonneborn?

Alexandra Kamp und Martin Sonneborn

Alexandra Kamp und Martin Sonneborn

SONNEBORN: Ich muss Sie enttäuschen: Sowohl wir als auch Frau Pauli werden wahrsceinlich noch zugelassen, weil nämlich der Bundeswahlleiter seinen Hut nehmen muss. Insofern stehen wir derzeit in einer unheiligen Allianz mit Frau Pauli. Die ist natürlich absolut unseriös, aber wir nutzen sie gerne als Steigbügelhalter.
HOPFENPOST: Aber Sie wildert ja auch ein bisschen in Ihrer Zielgruppe.
SONNEBORN: Ha, bayerische Schweinebauern sind nicht meine Zielgruppe.
HOPFENPOST: Und Frau Lengsfeld? Vielleicht mit der?
SONNEBORN: Nein, ich bin gegen unrasierte Bürgerrechtlerinnen. Sie ist ja von den Grünen zur CDU übergetreten, das ist allein schon ungeheuerlich. Und jetzt dieses Werben mit körperlichen… naja, von Vorzügen möchte man da nicht sprechen… Das ist für mich keine Politik, das ist Spektakel.
HOPFENPOST: Dann doch ein Partner aus der Riege der offiziellen Nicht-Spaß-Parteien, falls es für Sie alleine nicht zur Mehrheit reicht? Bei wem sehen Sie ähnliche Ziele? Sie wollen ja Deutschland wieder teilen; dann vielleicht die Linke?
SONNEBORN: Die Linke wäre tatsächlich eine Option, wegen ihrer Erfahrung im Mauerbau. Aber in meinem Herzen bin ich eigentlich Fan der SPD: eine Partei, die seit Jahren immer wieder zu Wahlen antritt und es immer wieder versucht – so wie wir! –, obwohl sie keine Chance hat, das ist schon achtbar. Unser Wahlziel ist ja auch SPD plus x, wobei wir es jetzt korrigiert haben auf SPD plus x plus x.
HOPFENPOST: 18 Prozent der Bürger können sich vorstellen, Schlämmer zu wählen; die „Partei“ hatte 2005 in Berlin immerhin reale 0,4 Prozent. Woher kommt Ihr Zulauf?
SONNENBORN: Ja, das war unser bestes Ergebnis seit Kriegsende. Es ist aber natürlich noch ausbaufähig. Wir können also damit werben, dass wir 0,4 Prozent mehr haben als die HSP. Also schätzte ich uns jetzt auf 18,4 Prozent.
HOPFENPOST: Haben Sie die gleiche Zielgruppe?
KAMP: Also, wir möchten die Schweinebauern unbedingt miteinbeziehen.
SONNEBORN: Das ist ja populistisch!
KAMP: Aber intelligent. Wir sind für die Schweinebauern und gegen die Schweinegrippe.
SONNENBORN: In der Tat ist aber auffällig, dass die Horst-Schlämmer-Partei einige Forderungen hat, die wir auch haben. Wir haben schon 2005 Schönheitsoperationen auf Kassenkosten gefordert. Aber das hat Vorbilder: SPD und CDU sind ja auch ziemlich verwechselbar geworden in den letzten Jahren. Wir haben natürlich noch als Alleinstellungsmerkmal, dass wir den Wiederaufbau der Mauer fordern.
HOFPENPOST: Nochmal ein wenig ernster: Woher kommt das große Interesse an Parteien wie den Ihren?
SONNEBORN: Das drückt eine Unzufriedenheit mit den politischen Verhältnissen aus.
KAMP: Politikverdrossenheit!
SONNEBORN: Das ist Flucht vor den etablierten Parteien. Die Leute wollen eben ernstgenommen werden.
KAMP: Also, in Italien regieren solche Parteien wie wir ja. Berlusconi hat es geschafft, obwohl er nur halb so gut aussieht wie Horst Schlämmer.
HOPFENPOST: Oder ist es auch dieser heuer besonders lullige und wattige Wahlkampf, der offenbar ein Vakuum lässt?
KAMP: Sie sagen es: lullig und wattig.
SONNEBORN: Nicht von uns! Wir haben einen populistischen, schmierigen Wahlkampf versprochen. So, wie wir ihn bisher schon gemacht haben. Wir haben in Hamburg plakatiert: „CDU-Wähler aufgepasst, Ole von Beust ist schwul“. Dann gab’s Einsprüche, das sei Schmutz. Haben wir also die Plakate umgedreht: „Schwule aufgepasst, Ole von Beust ist in der CDU.“ Aber ich glaub’ auch: Es ist Verdrossenheit mit der CDU, Mitleid mit der SPD, Ärger, dass sich die FDP angesichts der wirtschaftlichen Situation nicht einfach schämt und in die Ecke stellt.
HOPFENPOST: Oder ist es auch der Preis für die große Koalition, dass auch so sagen wir unübliche Parteien so viel Aufmerksamkeit haben? Oder können wir noch dankbar sein, dass wenigstens Sie es sind und keine rechten Idioten?
KAMP: Klares Ja.
SONNEBORN: Was die Dame sagt, stimmt. Und wir danken für die Gelegenheit, unsere irre Ideen in die Öffentlichkeit zu bringen.

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2 Antworten zu ““Wir sind schmierig und populistisch””

  1. sommerpartei sagt:

    Wir sind viel schmieriger und populistischer! Sommer. Für alle. Für immer!

  2. Michael sagt:

    ich würde ihn wählen

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