Nehmen wir mal an, es käme eine nette Fee und ich dürfte mir eine neue Regierung wünschen. Ganz wie ich wollte, ohne Rücksicht auf Parteien (oder sonstige Quoten für ostoberbayerische, gewerkschaftsnahe und daheimerziehende evangelische Frauen). Also, dann nähme ich ein schwarz-grün-rotes Triumvirat aus Karl-Theodor zu Guttenberg, Renate Künast und Peer Steinbrück (das war jetzt ganz brav alphabethisch): meine Koalition der Klugen.
Weiß schon, die sind in recht unterschiedlichen Parteien, die drei. Aber sie haben miteinander mehr gemeinsam als mit vielen ihrer jeweiligen Parteifreunde - sie sind alle drei sehr klug, sehr pragmatisch, sehr realisistisch; mit einem ausgeprägten Hang, eine eigene fundierte Meinung erstens zu haben und zweitens öffentlich zu vertreten, selbst wenn es der Stammtisch oder gar die eigene Parteiführung gerade anders sieht.
Das heißt natürlich nicht, dass die anderen Politiker alle unklug und unrealistisch wären; aber es wären in einer Regierung ja noch mehr Posten für ähnlich Gestrickte zu vergeben. Und es heißt auch nicht, dass ich alle drei immer in allen Punkten toll finde. Oder dass sie sich zwingend immer in allem einig wären. Aber die die drei stehen beispielhaft für einen im Vergleich sehr angenehmen - und leider nicht sehr verbreiteten - Politikansatz: Erstens, so genau genug wie möglich versuchen, die Wirklichkeit wahrzunehmen, wie sie ist (im Gegensatz zu: die Augen davor zu verschließen und Wünschbares mit Fakten zu verwechseln). Zweitens, die Wirklichkeit so auch darzustellen (im Gegensatz zu: sie so hinzudrehen, wie es einem strategisch in den Kram passt und Wünschbares als Fakten hinzustellen). Drittens, zu versuchen, jene Wirklichkeit soweit es Politik eben kann so sinnvoll wie möglich zu gestalten (im Gegensatz zu: unauffällig aussitzen und derweil seine Klientelgruppen bedienen).
Und ganz generell im Gegensatz zu: das Volk nicht für dumm verkaufen. Nichts treibt mich mehr auf die Palme als all diese abgrundtief falschen Versprechungen, bei denen der Rattenfänger und Marktschreier schon in jeder Millisekunde seiner Rede weiß, dass er sie nie halten wird - egal, ob ein Herr Seehofer von großzügigen Steuersenkungen spricht oder ein Herr Lafontaine von großzügigen Hartz-IV-Erhöhungen. Manchmal muss es auch gar kein böser Rattenfänger sein, sondern vielleicht nur ein Träumer, der halt es halt zum Beispiel so gerne hätte, dass die Russen hinter Magna bestimmt selbstlose Edelmänner sind, die Opel ins Licht führen werden (auch wenn weltweit derzeit in etwa doppelt so viele Autos gebaut wie verkauft werden).
Sicher spielt gerade Guttenberg mittlerweile auch ganz gerne mit seinem Anecker-Image, aber es gibt schlechtere Eigenempfehlungen. Was bleibt, ist die angenehme Ernsthaftigkeit des jungen Bayern, des spröden Nordlichts und der schnoddrigen NRW-Frau - sie nehmen Politik ernst, und sie nehmen den Wähler ernst, und sie vereint bei allen politischen Unterschieden die seltene Kombination aus Ehrlichkeit und Realitätssinn.
Leider gibt es keine netten Feen.
Tags: Guttenberg, Künast, Steinbrück, Wahlkampf


Guttenberg und eine andere Meinung als der Stammtisch - auf dem Gillamoos war er wohl ganz nah beim Stammtisch, wenn man dem Bericht in der Abendzeitung glauben kann. Und mehr als nur: “Ich will keine Staatsknete für Unternehmen” habe ich auch noch nicht von ihm gehört. Wie will denn der Baron bitte die Arbeitslosigkeit bekämpfen? Kluge Antworten - Fehlanzeige