Himmel hilf!

27. November 2009 von Anja Timmermann

Ursula von der Leyen neue Arbeitsministerin????? Ein Aufschrei des Entsetzens geht durch den Großraum der Redaktion, als diese Eilmeldung auf alle Schirme poppt. Gulp. Da wünscht man sich ganz kurz fast, der heillos überforderte Hofschranze von Herrn Koch wär nicht zurückgetreten - wenn das die Konsequenz ist…

Hätte man nicht jemand nehmen können, der für das Amt qualifiziert ist? Vielleicht einen der braven, aber sicherlich fleißigen Merkel-Buben wie Ronald Pofalla? Nur mal kurz: Immerhin geht es um das Ministerium, das neben 20 Millionen Rentnern auch für Millionen von Arbeitslose und sozial Schwache zuständig ist - gerade in Krisenzeiten kein völlig unwichtiges Amt. Vielleicht ein bisschen zu wichtig, um Spielwiese für eine Politikerin zu sein, die mittlerweile offenbar von sich glaubt (warum auch immer), dass sie mit dem Familienministerium unterfordert sei.

Um eins klarzustellen: Als Familienministerin hat sie durchaus auch positive Dinge erreicht. In ihrer konservativen CDU einen gewissen Bewusstseinswandel für ein etwas moderneres Mütter- und Familienbild durchzusetzen, auch ganz konkret für das Elterngeld, war eine Leistung, die sie besser gekonnt hat als vielleicht andere - gerade auch wegen ihrer nervigen Art. (Auch wenn sie es immer wieder zielsicher geschafft hat zu vermitteln, dass alle Frauen, die nicht sieben Kinder großziehen UND dabei groß Karriere machen UND sich dabei ausschließlich von Latte Macchiato und einzelnen Salatblättern ernähren, irgendwie Versager sind). Aber das Lob für das Ergebnis, dass wir heute ein Elterngeld haben und die Krippenplätze ausgebaut werden, gebührt ihr in der Tat zu einem großen Teil.

Nur: Was bitte will sie im Arbeits- und Sozialministerium? Ist ja eh schon ihre zweite Wahl nach dem Gesundheitsministerium, aber das mit den Fachkenntnissen, kokettes Gekicher, wer braucht das schon. Oder irgendeinen Sinn für Zahlen und Fakten, Euro und Cent. Da hat sie schon in ihrem letzten Amt immer wieder gerne mit fast stolzer Naivität demonstriert, dass das böse Ziffernzeugs nicht so ihres ist. Und dass man, wenn man sich ganz doll Mühe gibt, doch bestimmt noch irgendein paar Milliönchen pro Jahr (oder waren es Milliärdchen im Monat, hihi?) irgendwo auftreibt, nicht wahr? Und jetzt soll Röschen ein 123-Milliarden-Euro-Budget, fast die Hälfte der gesamten Staatsausgaben, verwalten. Da kann einem schon angst werden.

Und noch mal: Was will sie im Arbeits- und Sozialministerium? Das Thema Fachkenntnisse - geschenkt. Aber hat sie irgendwann auch nur sowas wie Interesse an der Thematik erkennen lassen?  Was glaubt sie da zu tun: auf den Gängen der Arbeitsagenturen den Arbeitslosen den Kopf zu tätscheln?  Bei Spielenachmittagen in Seniorenheimen Duzi-Duzi zu machen? Oder wollte sie einfach nur endlich das Etikett “richtig wichtiges Ministerium” angeheftet bekommen?

Dass sie das für sich erträumt - na gut. Dass es ihr jemand gibt - Himmel hilf. Man hätte meinen können, die Rentner, die Armen, die Arbeitslosen wären zu wichtig für das Befriedigen von Eitelkeiten. Man hätte meinen können, sie hätten jemand Kompetentes verdient.

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Eine Antwort zu “Himmel hilf!”

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