Archiv für die Kategorie ‘Allgemein’

Diese Biene, die ich meine, die heißt Merkel…

Montag, 11. Januar 2010 von Annette Zoch

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat heute in Berlin zum Auftakt des „UN-Jahres der biologischen Vielfalt“ das dramatische Artensterben bedauert. Im Berliner Naturkundemuseum, vor dem weltweit größten
Dinosaurierskelett stehend, sang die Kanzlerin das Klagelied auf die geschundene Natur und den australischen Magenbrüterfrosch. „Wir brauchen eine Trendwende, und zwar sofort“, forderte die Umweltkanzlerin.

bienemerkelDoch, liebe Frau Merkel, es ist noch nicht aller Tage Abend: Wenn man der Augsburger Puppenkiste glauben darf, dann ist es mit der Artenvielfalt zumindest im politischen Berlin noch ganz gut bestellt. In deren neuen Kabarett-Programm für Erwachsene stehen unter anderem auf der Bühne: der rote Ameisenführer Gysi, das Sigmarienkäferchen, der Westerwilli, die Biene Merkel, der grüne Grashüpfer Flippin und der Schäble, offizieller Honigwart. Nicht im Bild ist der CSU-Seekäfer. Der liegt zurzeit aber eh nur hilflos auf dem Rücken.

Das Berliner Dreieck: Von “Angela & Frank-Walter” zu “Angela & Guido”

Montag, 28. Dezember 2009 von Frank Müller

Es begann wie ein Sommermärchen, es wurde zu einem erfüllten Herbst. Und nun quälen sich alle Beteiligten durch den Berliner Winter. Eine kleine Geschichte darüber, warum ein Partnerwechsel das Leben nicht immer leichter macht.

Die Eine, der Alte und der Neue: Eine Berliner Beziehungsgeschichte

Die Eine, der Alte und der Neue: Eine Berliner Beziehungsgeschichte

Nach allem, was man weiß, hat Angela zu Guido noch nie versehentlich Frank-Walter gesagt. Wobei auch so etwas erstens ja mal vorkommen kann. Und zweitens die Stimmung zwischen Angela und Guido auch nicht groß verschlechtert hätte. Denn die ist schon am Ende der Flitterwochen ziemlich im Keller.

Berliner Verhältnisse 2009: Jahrelang war Angela mit Frank-Walter verbandelt. Man kennt sich, schätzt sich, weiß, was man aneinander hat - und doch: Insgeheim will sie schon seit langem lieber einen Jüngeren.

Einen, der ein bisschen frischer und frecher ist als der ewig staatstragende und abwägende Frank-Walter. Einen wie Guido, ihren Jugendfreund, mit dem es damals nichts wurde. Guido nervt zwar manchmal, weil er vorlaut ist und scheußliche gelb-blau gestreifte Krawatten trägt. Doch lieber jugendlicher Übermut als immer diese Langeweile und zehn verschachtelte Nebensätze, denkt sich Angela.
Ein Gedanke reift in ihr, es ist Zeit für eine neue Liebe. Sie und Guido fühlten sich schon häufiger zueinander hingezogen. Aber für ihn den soliden Frank-Walter abschießen? Als ein alles in allem harmonischer Sommer mit Frank-Walter vorbei ist, kommt sie noch einmal ins Grübeln.
Dann kommt die Nacht der Nächte, es ist der 27. September, nie wird sie diesen Abend vergessen. Schon am frühen Abend spürt Frank-Walter, dass alles vorbei ist. Er flieht zu seinen Freunden, sucht die Nestwärme bei seinen Kumpels. Und Angela? Knall auf Fall gehört sie Guido.

Der strahlt eine Nacht lang das Lächeln des Siegers, auch in den Tagen danach weicht der Triumphblick nicht aus seinem Gesicht. Diesmal muss alles gut werden. Guido macht Pläne, er will verreisen, ins Ausland, es richtig krachen lassen, das neue Leben mit seiner Angela genießen.
Die genießt den Sturm und Drang, einerseits. Doch manchmal findet sie ihren Guido ein wenig forsch: Wie er versucht, das Familienoberhaupt rauszukehren! Und dieses Siegergehabe, dieses Hoppla-hier-komm-ich-hafte. Immer dieser Streit um jede Kleinigkeit: Er will Geld für alles Mögliche ausgeben, sie will lieber sparen. Er macht allen großspurig Geschenke, sie mag’s lieber etwas weniger auftrumpfend.
Und so wird sie immer nachdenklicher, je näher Silvester rückt. War das wirklich das neue Leben, das sie wollte? Da ist man den Alten endlich los, der Neue, Ersehnte ist da - und wieder läuft alles nicht so richtig rund.
Manchmal, wenn es spät wird in den Winternächten von Berlin, sieht Angela draußen den traurigen Frank-Walter vorbeischlurfen. „Hätte ich vielleicht doch…?”, überlegt sie dann kurz und schüttelt den Gedanken gleich wieder ab.

Denn da ruft auch schon Guido an, am Handy: „Angela! Ich habe eine tolle Idee.” Schon wieder, denkt sich Angela und ist bemüht, sich nichts anmerken zu lassen. „Jaaa, Guido?”, flötet sie ins Telefon. „Wie schön, dass Du anrufst.”

(Auch erschienen im AZ-Jahresrückblick, Printausgabe vom 28.12.2009, Seite 4)

Phoenix gesehen, geweint

Freitag, 18. Dezember 2009 von Markus Jox

Hach, was haben wir doch für gebildete und belesene Politiker in Deutschland! Jetzt kam es im Bundesrat sogar zum Showdown zweier Lyrikexperten. Und das rührt mein Herz als studierter Germanist sehr. Phoenix gesehen, geweint!

Los ging’s mit dem rheinland-pfälzischen Ministerpräsidenten Kurt Beck. Immer wenn er wütend sei, wusste der von finsteren Mächten der Sozialdemokratie hinweggemeuchelte Ex-Parteichef zu berichten, greife er zu Gedichtbänden. Und da er gerade mal wieder stocksauer auf die Kollegen von der Union war, die das schwarz-gelbe Staatsverschuldungserhöhungsgesetz, das seltsamerweise Wachstumsbeschleunigungsgesetz heißt, trotz aller Kritik einfach durchgewunken haben, stieß Beck in seiner Verzweiflung auf ein paar lustige Zeilen des Münchner Dichterfürsten Eugen Roth (1895-1976). Also deklamierte Beck mit pfälzer Zungenschlag das Gedicht “Das Sprungbrett”, das - Achtung Metaphorik! - auf die feigen Unions-Ministerpräsidenten gemünzt war:

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Himmel hilf!

Freitag, 27. November 2009 von Anja Timmermann

Ursula von der Leyen neue Arbeitsministerin????? Ein Aufschrei des Entsetzens geht durch den Großraum der Redaktion, als diese Eilmeldung auf alle Schirme poppt. Gulp. Da wünscht man sich ganz kurz fast, der heillos überforderte Hofschranze von Herrn Koch wär nicht zurückgetreten - wenn das die Konsequenz ist…

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Steinbrück macht jetzt Spaß in München

Donnerstag, 12. November 2009 von Frank Müller

steinbrueck

Finanzminister müssen harte Hunde sein, sonst nimmt sie keiner ernst. So macht auch Wolfgang Schäuble derzeit relativ nahtlos dort weiter, wo Peer Steinbrück aufgehört hatte. Was man aber dennoch vermisst am Kabinettstisch, ist der böse Witz, das terrierhafte Zubeißen, das den Finanzminister der großen Koalition ausgezeichnet hatte. Am Freitag setzte sich Steinbrücks Rückzug auf Raten fort. Zum Auftakt des dreitägigen Dresdner Krisenparteitag der SPD gab der 62-jährige Hamburger das Amt des Parteivizes auf und ist damit nur noch einfacher Bundestagsabgeordneter.
Das schmälert einerseits den Unterhaltungswert der Politik, andererseits erspart es Deutschland künftig womöglich diplomatische Krisen wie die mit der Schweiz im Frühjahr. Im Streit um Steueroasen hatte Steinbrück dem Land mit der Kavallerie gedroht und an das Schicksal der Indianer erinnert.
Und während die SPD-Delegierten am Sonntag Erhard Eppler und Sigmar Gabriel lauschen, genießt Steinbrück seine neue Freiheit ebenso demonstrativ wie schrullig: Er hält in München die Laudatio auf Waldemar Hartmann, der von der Münchner Faschingsgesellschaft Narrhalla den Sigi-Sommer-Taler bekommt. Steinbrück hätte ihn auch verdient. Die SPD werde es ihm sicher verzeihen, wenn er die Ereignisse des Sonntags auf dem Parteitag nur aus der Ferne wahrnehme, meint er im Interview hintersinnig.

Darauf ein Pils!

Montag, 26. Oktober 2009 von Annette Zoch

Es ist soweit. Der schwarz-gelbe Koalitionsvertrag ist unterzeichnet. Die Regierung steht. Da kann man nach all den Nächten der Verhandlungen, nach all dem Wahlkampf, nach all dem Stress ruhig auch mal ein bisschen feiern.

Wir erinnern uns: 1998, als die erste rot-grüne Bundesregierung an die Macht kam, prosteten sich Gerhard Schröder, Joschka Fischer und Oskar Lafontaine mit Champagner zu. Lachen ausgelassen, biegen sich geradezu vor Lachen, versprühen Testosteron, triumphieren. Yes we can!

2005 die große Koalition. Ein Zwangsgebilde. Merkel ist nur mit Ach und Krach Kanzlerin geworden, mitten in den Koalitionsverhandlungen tritt auch noch Müntefering als SPD-Chef zurück. Da gab’s nur Mineralwasser, kein Wunder. So richtig zum Feiern war niemandem zumute.

Und jetzt, 2009, nach vier Jahren Kanzlerschaft, steht Angela Merkel an der Spitze einer schwarz-gelben Koalition. Sehnt sich aber vermutlich insgeheim in die gemütliche Partnerschaft mit der SPD zurück. Und was gibt’s zu trinken? Nun, Merkel nimmt ein Schlückchen Wein. Bloß nicht zu überschäumend, bloß kein Sekt oder sonstwas Spritziges. Guido Westerwelle und Horst Seehofer, die neuen Duz-Freunde, gönnen sich ein kleines Pils.

Was das heißt? Vielerlei. Guido Westerwelle signalisiert damit: “Schaut mal, ich trinke dasselbe wie die Männer in Trainingshosen am Büdchen in Gelsenkirchen. Ich bin gar nicht so ein neoliberaler Eisklotz.”

Seehofer signalisiert: “Das Reagenzglas, das habe ich als gestandner Oberbayer ja mit einem Schluck leergemacht. Pass auf Guido, dasselbe mach ich auch noch mit Dir, gell!”

Und Angela signalisiert: “In der Krise, da müssen wir uns auch mal mit einem kleinen Getränk zufrieden geben.”

Na denn, Prost.

Christsoziale Treueschwüre

Mittwoch, 14. Oktober 2009 von Markus Jox

In der CSU wird in diesen Tagen derart viel darüber geredet, dass es in der Partei auf gar keinen Fall eine Personaldiskussion gebe und schon gar nicht über Horst Seehofer, dass höchstwahrscheinlich das glatte Gegenteil zutreffen dürfte. Hier eine Auswahl der schönsten christsozialen Treueschwüre nach dem mauen Ergebnis bei der Bundestagswahl:

Manfred Weber, CSU-Bezirkschef Niederbayern: “Die CSU braucht keine Personaldiskussion. Wir haben eine Führung, hinter der wir alle stehen. Das ist Horst Seehofer.”

Karl-Theodor zu Guttenberg, Bundeswirtschaftsminister (CSU): “Es rumort weniger, als geschrieben wird.”

Joachim Herrmann, Bayerns Innenminister (CSU): „Ich arbeite sehr gut und effektiv mit Horst Seehofer zusammen. Und wenn mir etwas nicht passt, dann sage ich ihm das unter vier Augen.“

Stefan Müller, MdB und Bayerns JU-Chef: “Es wäre völlig falsch, jetzt eine Personaldiskussion zu führen und die Verantwortung bei einzelnen Personen zu suchen.”

Theo Waigel, CSU-Ehrenvorsitzender: “Zu Horst Seehofer gibt es überhaupt keine Alternative. Er ist unbestritten der Parteivorsitzende und Ministerpräsident. Ich halte jede Personaldiskussion für falsch.”

Erwin Huber, Ex-CSU-Chef: “Es gibt keine Personaldiskussion.”

Und was meint Horst Seehofer selbst zu den Treueschwüren seiner Parteifreunde:

„Ach, da sagt der Alois Glück was, da sagt der Theo Waigel was, da sagt der Erwin Huber was, da sagt der Max Straubinger was, und wenn das fertig ist, fängt der Alois Glück wieder an. Meinen Sie, ich setze mich dem aus, um dann hinzuschmeißen? Vielleicht bin ich noch länger im Amt als mancher von denen.“

Hach, geht es in dieser Partei ehrlich und loyal, christlich und sozial zu!

Das wärmt einem nachgerade das Herz in diesen vorwinterlichen Tagen.

Von Frank zu Frank

Mittwoch, 07. Oktober 2009 von Frank Müller

Tja, Frank. Oder soll ich “Frank-Walter” sagen? Bitte entschuldige die vertrauliche Anrede. Aber jetzt sind ja ein paar Tage ins Land gegangen. Es wird Zeit, die unangenehme Wahrheit auszusprechen, woran es wirklich lag: Erst diese scheußliche Wahlniederlage. Und dann nochmal in die zweite Reihe verbannt werden durch Gabriel und Konsorten.

Ich, lieber Frank, habe das vorausgesehen. Meine Analyse ist die: Es ist Dein Name. Mein Name. Unser Name. Seit Jahren schon verfolge ich die Karriere unseres Vornamens mit Akribie. Nehmen wir einen beliebigen Hollywood-Thriller: Mit hoher Wahrscheinlichkeit trägt der Hauptdarsteller den Filmnamen John, sein bester Kumpel ist George. Schon wenige Minuten nach Filmstart weiß ich stets, wer “Frank” ist.

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Es ist beispielsweise der zweitklassige Pistolenheld, der als Leibwächter des Mafiabosses vier Sätze sagen darf und nach 60 Minuten Opfer einer Autoverfolgungsjagd wird. Oder er ist der Schwager der hübschen Braut, der ein bisschen unter Mordverdacht gerät, aber natürlich unberechtigterweise - für einen richtigen Mord ist er nicht wichtig genug. In Filmen gibt es George Clooney, Harrison Ford - und jemanden, der “Frank” ist und bei dessen Anblick man sich stets fragt: Das Gesicht da kenn ich doch, das ist doch der Dings, äh - und schon ist “Frank” wieder aus dem Bild.

Kurz: “Frank” ist derjenige, dessen Darsteller im Vorspann etwa an sechster Stelle kommt - dort also etwa, wo Du, lieber Frank-Walter, derzeit in der SPD-Hierarchie aufscheinst.

Was bleibt, ist durchhalten, so wie Du es ja auf Deinem Blog eindrucksvoll beschreibst:

“Für Wundenlecken und Jammern ist keine Zeit. Die SPD wird gebraucht! Deshalb: Jetzt den Blick nach vorne richten.”

Und genau darin liegt für uns Franks vielleicht der Trost. Wir sind nicht so ganz vorne. Aber die Welt braucht uns, wenigstens ein bisschen. Und jetzt den Blick nach vorne!

O weh, SPD!

Mittwoch, 30. September 2009 von Markus Jox

So langsam bekomme ich Mitleid mit der SPD. Will nicht mehr dauernd von “Machtkampf”, “Hauen und Stechen”, “Grabenkämpfen” bei den Genossen schreiben müssen. Irgendwann hat man das selbst als politischer Journalist satt. Die anderen Parteien, ja, die könnten ruhig mal ein bisschen Abwechslung an der Spitze gebrauchen. Bei der CDU sitzt Mutti Merkel gluckenfest im Sattel, die FDP hat sowieso nur Guido - und bei den Grünen halten die  Trittinrothkünastkuhn-Apparatschiks selbstverständlich an der Macht fest, obwohl sie ihr Wahlziel ”drittstärkste Kraft” krass verfehlt haben.  (weiterlesen…)

Schnellkurs in Gelb

Dienstag, 29. September 2009 von Annette Zoch

westerwelle2An dieser Stelle empfehlen wir zur Lektüre den hervorragenden “Schnellkurs in Gelb” des AZ-Kulturchefs Volker Isfort.

Das neue Regierungsbündnis schafft auch ein neues Lebensgefühl.
Von Humor über Sex bis zu Musik: die besten Tipps zum Überleben in der neuen Guido-Republik. Nachzulesen hier.

Phantom-Mitglieder bei Bayern-SPD?

Dienstag, 29. September 2009 von Annette Zoch

Es ist nicht leicht, in diesen Tagen Generalsekretärin der bayerischen SPD zu sein. Aber Natascha Kohnen gibt unverdrossen und tapfer Interviews. Sie forderte jetzt den Generationenwechsel, machbar sei der mit der “neue Generation” in der BayernSPD: “Florian Pronold, Thomas Bayer und Anette Kahl”. So die Meldung der Nachrichtenagentur ddp. (weiterlesen…)

Se New Außenminister

Montag, 28. September 2009 von Annette Zoch

Guido Westerwelle sei manchmal noch anzumerken, welchen Respekt er vor der Außenpolitik habe, schreibt der dpa-Korrespondent. Dabei hat er sich eingelesen, in den vergangenen Jahren sein Englisch verbessert. Die Frage eines BBC-Korrespondenten wollte er am Montag dennoch nicht auf Englisch beantworten. “Wir sind hier in Deutschland”, wies er ihn barsch zurück.

Ob’s auch an diesem Video lag, was seit kurzem durchs Netz geistert?

Da antwortet er einem jungen Journalisten ganz tapfer auf seine Frage, spricht über “de dynamic of se society”. “We gott today se new unemployment rates”, sagt Guido. “When I listen to se government and I hear eleven percent unemployment rate, and the aufschwung ist da. Sis is not ambitious enough.”

Aber grämen Sie sich nicht Herr Westerwelle. An der Aussprache kann man ja noch feilen. Und außerdem befinden Sie sich in guter Gesellschaft.

Schadenfreude, die

Montag, 28. September 2009 von Annette Zoch

“Damit ist ein Nimbus gebrochen, den wir in Jahrzehnten aufgebaut haben – von Franz Josef Strauß über Theo Waigel bis Edmund Stoiber. Die wesentlichen Ursachen dieses desaströsen CSU-Ergebnisses liegen in Bayern. Die CSU muss wieder eine verlässliche, berechenbare klare Linie finden. Eine kurzfristige Schnäppchenpolitik populistischer Art führt uns nicht weiter.”
Erwin Huber, 28. September, Leipziger Volkszeitung

„Ich denke, wir müssen mehr als Team arbeiten und weniger die Leute ausgrenzen. Das Wahlergebnis ist indiskutabel für eine Volkspartei wie die CSU.“
Erwin Huber, 28. September, ddp

„Das ist nicht nur eine Niederlage, das ist ein Desaster, eine Katastrophe.“
Erwin Huber, 27. September, dpa

„Die Strategie der Angriffe auf die FDP hat dazu geführt, dass die FDP in Bayern stärker ist als im Bundesdurchschnitt. Da muss auch der Parteivorsitzende seinen Beitrag leisten, nicht nur der Bundeswirtschaftsminister.“
Markus Ferber, 28. September, ddp

„Sollte Steinmeier jetzt Parteichef werden?“ „Ich bin dafür, dass wir miteinander einen Vorschlag erarbeiten.“
Kurt Beck, 28. September, Tagesspiegel

Update:

„In der Wahlkampfführung gab es einige Unzulänglichkeiten. Man hätte Rot-Rot stärker angreifen müssen und den Kleinkrieg mit der FDP lassen sollen.“
Erwin Huber, 29. September, Passauer Neue Presse

„Die Wahlkampagne gegen die FDP hat uns nicht genutzt. Das war eine Fehleinschätzung.“
Erwin Huber, 29. September, Deutschlandfunk


Viehzeuch

Sonntag, 27. September 2009 von Annette Zoch

Die kalte Pizza ist gegessen, das Bier ist getrunken, die Finger sind wundgeschrieben, das ZDF schaltet jetzt auch langsam um auf den Spätkrimi. Das Wahlergebnis ist da. Die ersten Momente der neuen Legislaturperiode haben begonnen. Der neue Vizekanzler der Bundesrepublik Deutschland heißt Guido Westerwelle. Union und FDP koalieren. Früher, als Helmut Kohl noch Birne hieß und ein hellgelber Pullunder uns im Ausland vertrat, hat man dazu Schwarz-Gelb gesagt.

Doch irgendwann, ich weiß nicht mehr wann und ich weiß auch nicht warum, hat es angefangen: Da hat man für Koalitionen aller Art putzige Begriffe erfunden. Jamaika, Schwampel… Die neueste Erfindung ist nun die Tigerenten-Koalition. Ist das ein angemessener Begriff für die neue Bundesregierung? Die Tigerente ist ein bisschen behäbig, ihre Räder quietschen, sie ist eigentlich ein echtes Öko-Spielzeug.

Andere sprechen von der Biene-Maja-Koalition. Biene Merkel und Westerwilli. Der Westerwilli lispelt und schielt ein bisschen, ist manchmal ziemlich überkandidelt, aber sonst ganz lieb.

Und dann gibt’s da noch den Begriff von der Hornissen-Koalition. Die Hornisse ist so ähnlich wie eine Heuschrecke. Ihr Stachel hat einen deutlich größeren Durchmesser als der von Bienen, bohrt sich deshalb deutlich schmerzhafter ins Fleisch.

Giftstachel? Lahme Quietsche-Ente? Vielleicht fällt uns ja noch eine bessere Analogie ein.

Ungedruckte Sätze einer ungehaltenen Frau

Freitag, 25. September 2009 von Anja Timmermann

Die generell lernfähige Politik-Redaktion hat eine Erfahrung gemacht, die wir Euch nicht vorenthalten wollen: Tote Fische eignen sich nicht gut als Eisbrecher. Wer hätte das gedacht - deswegen hier die kurze Geschichte, warum der Einstieg zu unserem Interview mit Renate Künast nie erschienen ist.

Zum Redaktionsbesuch der grünen Spitzenkandidatin hatten wir uns eine Liste von Fragen ausgedacht - als so genannte Eisbrecher-Frage zum Einstieg hielten wir die Frage nach ihrem Lieblings-Saibling-Rezept für eine hübsche Idee.  Durchaus der Meinung, dass es reichlich albern von Barbara Rütting ist, bei den Grünen auszutreten, weil Renate Künast einen frisch geangelten Saibling getötet hat (was dachte Frau Rütting, warum die Fische auf dem Teller in der Regel ruhiger sind als die im See?).

Frau Künast fand es gelinde gesagt nicht ganz so lustig. Hier die Mitschrift der ersten Minuten des Tonband-Mitschnitts: “Frau Künast, was ist Ihr Lieblings-Saiblings-Rezept?”  Acht Sekunde Pause, acht kleine Ewigkeiten. “Einfach mit Kräuter-Salz”. Neun Sekunden Totenstille. Dann nervöses Gelächter bei den Redakteuren (drei Sekunden). Und dann wieder vier Sekunden Stille, vor allem von Renate Künast. Endlich fasst sich einer ein Herz und stellt gaaaanz schnell die nächste Frage. Zum Autorisieren haben wir’s noch geschickt, gedruckt haben wir es dann lieber nicht. Merke: Nicht alle Dinge sind gleichermaßen als Eisbrecher geeignet (siehe auch: Titanic, die).

Rainer Maria zu Guttenberg

Mittwoch, 23. September 2009 von Annette Zoch

CSU-Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg ist der Rainer Maria Rilke unter den Polit-Lyrikern. Wir haben seine schillerndsten Metaphern einmal zu einer exemplarischen Rede zusammengestellt:

“Meine Damen und Herren, liebe Freunde. Ich freue mich, nach dem märkischen Treibsand in Berlin endlich wieder festen bayerischen Boden unter den Füßen zu haben. Ich könnte hier nun ein 50-seitiges Manuskript meines Ministeriums verlesen. Aber nein, ich spreche hier ohne Manuskript, ich will mein Herz sprechen lassen.

Wo ist denn meine Maß Bier? Wir befinden uns doch hier nicht in einer Quelleneinhausung für Mineralwasser! Ah, das tut gut.
Liebe Freunde, wir brauchen in diesen Zeiten ein gerüttelt Maß an Zuversicht, um nicht mit dem Ofenrohr ins Gebirg zu schauen. Mehr noch, das ist unsere verdammte Pflicht und Schuldigkeit. Einige haben sich am Marktsystem versündigt. Die Milliarde ist volksnah geworden! Mit dieser sozialen Marktwirtschaft ist unser Land nach dem Zweiten Weltkrieg aus Schutt und Asche auferstanden. Wir haben ein gerüttelt Maß an Hausaufgaben vor uns. Die Leitplanken der sozialen Martwirtschaft dürfen nicht in Panik abgerissen werden, sondern müssen in Teilen eingeengt oder auch erweitert werden. Diese Klippe müssen wir umschiffen.

Ich bin bass erstaunt, dass sich Kassandra derzeit ihrer Liebhaber kaum erwehren kann. Aber ich sage Ihnen:  Wer abends mit Kassandra ins Bett geht, der muss sich nicht wundern, wenn ihm am nächsten Tag Mundgeruch entgegenschlägt. Wenn man weiß, dass einem das Wasser bis zum Halse steht, ist es außerordentlich unklug, den Kopf hängen zu lassen. Wir dürfen erhobenen Hauptes, mit gesundem Selbstbewusstsein, aber ohne Hochmut durch die Krise gehen.

Herrgottnochmal, es muss in der Politik doch möglich sein, eine eigene Meinung zu haben! Ich werde mir das Maul nicht verbieten lassen.  Ich werde mir mein gerüttelt Maß an Bodenhaftung bewahren.  Da bricht uns doch kein Zacken aus der wohlpolierten Krone. Verdammt noch mal! Zum Abreagieren spiele ich dann gerne einen Boogie-Woogie, zum Auftanken Mozart und manchmal auch Bruce Springsteen. Aber das darf nur die ultissima ratio sein.”

Gutti Besserung!

Dienstag, 22. September 2009 von Annette Zoch

guttenbergAm Montag hat sich Bundeswirtschaftsminister KT zu Guttenberg bei der Vorstellung des CSU-Sofortprogramms wegen Krankheit entschuldigen lassen. Eine böse Grippe, hieß es. Kein Wunder, so verschwitzt wie der CSU-Shootingstar nach seinen Bierzeltauftritten immer ist, da musste die Erkältung ja irgendwann kommen. Am Abend war Guttenberg aber wieder fit und machte Wahlkampf in Oberfranken. Am Dienstag bei der Opel-Sitzung des Bundestags-Wirtschaftsausschusses fehlte von Gutti dann wiederum jede Spur. Merke: Eine Erkältung sollte man anständig auskurieren, sonst gibt’s einen Rückfall!

Yeah, die Zweite

Dienstag, 22. September 2009 von Annette Zoch

Schon wieder ist Angela Merkel Opfer eines Flashmobs geworden. Dieses Mal in Mainz - und Merkel reagierte sogar auf die Zwischenrufer. “Es kann ja nicht schaden, wenn man noch mehr kann, als nach jedem Satz Yeah zu schreien”, sagte sie. Dabei haben die Flashmobber ihr “Yeah”-Repertoire erweitert und dieses Mal auch Worte gebrüllt wie “Wachstum”, “Fünf” oder “Hintertür”!

Ziel des Ganzen? Die “Worthülsen der Politik” herauszustellen. Soso.

Wahlkampf-Lyrik (VI)

Montag, 21. September 2009 von Frank Müller

Es ist die Zeichentrick-Szene, über die wir alle schon tausend Mal gelacht haben: Draußen im Wohnzimmer sitzt jemand im Sessel und möchte erkennbar nichts als seine Ruhe. Und drinnen in der Küche flitzt jemand hin und her und behellingt den Ruhebedürftigen mit der ständigen Frage, was er jetzt als nächstes machen will. Von Loriot stammt dieser Klassiker, die Grünen haben ihn als Wahlkampfspot entliehen. Merkel sitzt im Wohnzimmersessel, Westerwelle rotiert in der Küche. Und das klingt dann so: Westerwelle: „Ich meine nur, es könnte Deutschland ja nicht schaden, wenn Du mal was Bestimmtes vorhaben würdest.” Merkel: „Aber ich möchte jetzt gar nichts vorhaben. Ich möchte einfach nur hier sitzen.” Szenen einer (schwarz-gelben) Ehe.

“Und alle so: Yeaahh” (Update)

Donnerstag, 17. September 2009 von Frank Müller

In diesen hochtechnisierten Zeiten sorgen vom politischen Gegner “veredelte” Wahlplakate vor allem dann für Aufsehen, wenn sie mit dem Original auf perfekte Weise spielen - so dass man die Fälschung kaum erkennt. Also etwa so.

Vielleicht ergibt sich auch daraus die komische Kraft dieses ganz und gar nicht perfekt veredelten Plakats. “Die Kanzlerin kommt” steht drauf - und jemand hat handschriftlich hinzugekritzelt: “Und alle so: Yeaahh”.

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Schöner und lustiger wurde die skurrile Groß-Wahlkampfmaschine, die gerade die Republik überzieht, selten karikiert. Kann gut sein, dass das auf der Veranstaltung selbst  morgen in Hamburg zu einer witzigen Rückkoppelung führt. Online wird bereits dazu aufgerufen, Merkels Rede flashmobartig mit möglichst vielen “Yeah”-Rufen zu unterbrechen und das dann wieder zu dokumentieren. Wir sind gespannt.

Update, 18. September 21.19: Scheint lustig gewesen zu sein in Hamburg vorhin. “Und alle so yeaahh”: