Mit ‘Bundestagswahl’ getaggte Artikel

Das Berliner Dreieck: Von “Angela & Frank-Walter” zu “Angela & Guido”

Montag, 28. Dezember 2009 von Frank Müller

Es begann wie ein Sommermärchen, es wurde zu einem erfüllten Herbst. Und nun quälen sich alle Beteiligten durch den Berliner Winter. Eine kleine Geschichte darüber, warum ein Partnerwechsel das Leben nicht immer leichter macht.

Die Eine, der Alte und der Neue: Eine Berliner Beziehungsgeschichte

Die Eine, der Alte und der Neue: Eine Berliner Beziehungsgeschichte

Nach allem, was man weiß, hat Angela zu Guido noch nie versehentlich Frank-Walter gesagt. Wobei auch so etwas erstens ja mal vorkommen kann. Und zweitens die Stimmung zwischen Angela und Guido auch nicht groß verschlechtert hätte. Denn die ist schon am Ende der Flitterwochen ziemlich im Keller.

Berliner Verhältnisse 2009: Jahrelang war Angela mit Frank-Walter verbandelt. Man kennt sich, schätzt sich, weiß, was man aneinander hat - und doch: Insgeheim will sie schon seit langem lieber einen Jüngeren.

Einen, der ein bisschen frischer und frecher ist als der ewig staatstragende und abwägende Frank-Walter. Einen wie Guido, ihren Jugendfreund, mit dem es damals nichts wurde. Guido nervt zwar manchmal, weil er vorlaut ist und scheußliche gelb-blau gestreifte Krawatten trägt. Doch lieber jugendlicher Übermut als immer diese Langeweile und zehn verschachtelte Nebensätze, denkt sich Angela.
Ein Gedanke reift in ihr, es ist Zeit für eine neue Liebe. Sie und Guido fühlten sich schon häufiger zueinander hingezogen. Aber für ihn den soliden Frank-Walter abschießen? Als ein alles in allem harmonischer Sommer mit Frank-Walter vorbei ist, kommt sie noch einmal ins Grübeln.
Dann kommt die Nacht der Nächte, es ist der 27. September, nie wird sie diesen Abend vergessen. Schon am frühen Abend spürt Frank-Walter, dass alles vorbei ist. Er flieht zu seinen Freunden, sucht die Nestwärme bei seinen Kumpels. Und Angela? Knall auf Fall gehört sie Guido.

Der strahlt eine Nacht lang das Lächeln des Siegers, auch in den Tagen danach weicht der Triumphblick nicht aus seinem Gesicht. Diesmal muss alles gut werden. Guido macht Pläne, er will verreisen, ins Ausland, es richtig krachen lassen, das neue Leben mit seiner Angela genießen.
Die genießt den Sturm und Drang, einerseits. Doch manchmal findet sie ihren Guido ein wenig forsch: Wie er versucht, das Familienoberhaupt rauszukehren! Und dieses Siegergehabe, dieses Hoppla-hier-komm-ich-hafte. Immer dieser Streit um jede Kleinigkeit: Er will Geld für alles Mögliche ausgeben, sie will lieber sparen. Er macht allen großspurig Geschenke, sie mag’s lieber etwas weniger auftrumpfend.
Und so wird sie immer nachdenklicher, je näher Silvester rückt. War das wirklich das neue Leben, das sie wollte? Da ist man den Alten endlich los, der Neue, Ersehnte ist da - und wieder läuft alles nicht so richtig rund.
Manchmal, wenn es spät wird in den Winternächten von Berlin, sieht Angela draußen den traurigen Frank-Walter vorbeischlurfen. „Hätte ich vielleicht doch…?”, überlegt sie dann kurz und schüttelt den Gedanken gleich wieder ab.

Denn da ruft auch schon Guido an, am Handy: „Angela! Ich habe eine tolle Idee.” Schon wieder, denkt sich Angela und ist bemüht, sich nichts anmerken zu lassen. „Jaaa, Guido?”, flötet sie ins Telefon. „Wie schön, dass Du anrufst.”

(Auch erschienen im AZ-Jahresrückblick, Printausgabe vom 28.12.2009, Seite 4)

Von Frank zu Frank

Mittwoch, 07. Oktober 2009 von Frank Müller

Tja, Frank. Oder soll ich “Frank-Walter” sagen? Bitte entschuldige die vertrauliche Anrede. Aber jetzt sind ja ein paar Tage ins Land gegangen. Es wird Zeit, die unangenehme Wahrheit auszusprechen, woran es wirklich lag: Erst diese scheußliche Wahlniederlage. Und dann nochmal in die zweite Reihe verbannt werden durch Gabriel und Konsorten.

Ich, lieber Frank, habe das vorausgesehen. Meine Analyse ist die: Es ist Dein Name. Mein Name. Unser Name. Seit Jahren schon verfolge ich die Karriere unseres Vornamens mit Akribie. Nehmen wir einen beliebigen Hollywood-Thriller: Mit hoher Wahrscheinlichkeit trägt der Hauptdarsteller den Filmnamen John, sein bester Kumpel ist George. Schon wenige Minuten nach Filmstart weiß ich stets, wer “Frank” ist.

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Es ist beispielsweise der zweitklassige Pistolenheld, der als Leibwächter des Mafiabosses vier Sätze sagen darf und nach 60 Minuten Opfer einer Autoverfolgungsjagd wird. Oder er ist der Schwager der hübschen Braut, der ein bisschen unter Mordverdacht gerät, aber natürlich unberechtigterweise - für einen richtigen Mord ist er nicht wichtig genug. In Filmen gibt es George Clooney, Harrison Ford - und jemanden, der “Frank” ist und bei dessen Anblick man sich stets fragt: Das Gesicht da kenn ich doch, das ist doch der Dings, äh - und schon ist “Frank” wieder aus dem Bild.

Kurz: “Frank” ist derjenige, dessen Darsteller im Vorspann etwa an sechster Stelle kommt - dort also etwa, wo Du, lieber Frank-Walter, derzeit in der SPD-Hierarchie aufscheinst.

Was bleibt, ist durchhalten, so wie Du es ja auf Deinem Blog eindrucksvoll beschreibst:

“Für Wundenlecken und Jammern ist keine Zeit. Die SPD wird gebraucht! Deshalb: Jetzt den Blick nach vorne richten.”

Und genau darin liegt für uns Franks vielleicht der Trost. Wir sind nicht so ganz vorne. Aber die Welt braucht uns, wenigstens ein bisschen. Und jetzt den Blick nach vorne!

Die FDP versucht’s mit Ironie

Montag, 14. September 2009 von Markus Jox

Guck mal einer an, die JuLis: Ausgerechnet die Nachwuchstruppe der Ober-Spaßbremse Westerwelle (Staatsmann in spe) hat jetzt ein Wahlwerbe-Video veröffentlicht, das sich des Stilmittels der Selbstironie bedient. Und hübsch augenzwinkernd die eigenen Klischees traktiert.

Schade nur, dass das Video nach exakt einer Minute plötzlich abrupt ins ernsthafte Fach wechselt und der Sprecher mit erhobenem Zeigefinger trompetet: “Wir sind die einzigen, die zentrale Freiheitseinschränkungen der letzten Jahre wieder zurücknehmen werden.”

Dabei wäre es doch konsequent gewesen, die Ironie bis zum Ende durchzuhalten. Und etwa so zu enden:

“Wir sind die einzigen, die zentrale Freiheitseinschränkungen der letzten Jahre wieder zurücknehmen werden. Deshalb wollen wir ab dem 27. September unbedingt mit Wolfgang Schäuble und den freiheitsliebenden Jungs von der CSU koalieren.”

Läuft Pauli zur HSP über?

Dienstag, 18. August 2009 von Annette Zoch

Ungeheuerliche Szenen ereigneten sich da jüngst in Berlin. Bei der Premiere des Films “Isch kandidiere” von Horst Schlämmer erschien auch Gabriele Pauli gemeinsam mit ihrer Frauenbeauftragten Kader Loth.

Pauli posierte nett vor einem überdimensionierten Schlämmer-Plakat, schwenkte sogar ein HSP-Fähnchen. Zeichnet sich da die nächste Sensation ab? Läuft Pauli nach Stationen bei CSU, Freien Wählern und der Freien Union jetzt zur HSP über? Ist das ihre neue politische Heimat? Muss sich Horst Schlämmer sorgen machen? Bahnt sich da ein neuer Putschversuch an? Stoiber-Sturz Reloaded? Und wo war eigentlich Vera Lengsfeld?

Wir bleiben dran!

Pauli: Und nochmal eine große Oper

Donnerstag, 06. August 2009 von Frank Müller

Gabriele Pauli, letzter Akt: Nach dem Spektakel um ihre vergessene Unterschrift unter den Wahlunterlagen ist die Ex-CSU-Frau heute endgültig mit dem Versuch gescheitert, doch noch bei der Bundestagswahl antreten zu dürfen. Denkbar knapp: mit vier gegen vier Stimmen im Bundeswahlausschuss. Deswegen hier ein Kurzporträt aus der morgigen Printausgabe in unserer Kolumne “Kopf des Tages”: (weiterlesen…)

Warum die Atomkraft nie zum Wahlkampfthema wird

Mittwoch, 15. Juli 2009 von Frank Müller

Frank Müller schreibt:

Neulich hatten wir Jürgen Trittin zu Gast in der Redaktion und sprachen ihn darauf an, ob die Grünen eigentlich ausreichend auf einen Finanzkrisenwahlkampf eingestellt seien. Denn die Gefahr aus Grünen-Sicht bestehe doch, dass vom jetzt kursierenden Atomthema in ein paar Wochen nichts mehr übrig sei. Da entfuhr dem Grünen-Spitzenkandidaten unwillkürlich ein leises “stimmt”. Und für den Rest des Gesprächs war von der Kernkraft nicht mehr viel die Rede. (weiterlesen…)

Besser als das Original?

Dienstag, 07. Juli 2009 von Frank Müller

horst_schlaemmer_plakat.jpgFrank Müller schreibt:

Horst Schlämmer schaffte es ja schon in seiner journalistischen Karriere als stellvertretender Chefredakteur des Grevenbroicher Tagblatts, unsere Branche  relativ überzeugend zu verkörpern. Mit einer kleinen Einschränkung: Wer in seinem Leben genügend Journalisten getroffen hat, fragt sich, ob Schlämmer, sprich: Hape Kerkeling nicht eher untertreibt. Alle aktuellen, ehemaligen und künftigen Kollegen selbstredend ausgenommen.

Und nun gibt Schlämmer-Kerkeling also den Politiker. Und zwar nicht irgendeinen, sondern gleich den Kanzlerkandidaten der HSP. Das Kürzel steht, wenig überraschend, für “Horst Schlämmer Partei”. Und das erste Video, natürlich ein Wahlwerbespot, ist ausgesprochen vielversprechend. (weiterlesen…)

Die können Kanzler!

Donnerstag, 18. Juni 2009 von Markus Jox

Markus Jox schreibt:

Zugegeben: Ich war äußerst skeptisch, als ich zum ersten Mal von dem ZDF-Format “Ich kann Kanzler” hörte. Sogleich krochen die entwürdigenden Bilder von DSDS oder Germany’s next Topmodel wieder in mir hoch. Junge, ambitionierte Leute, die den quotenhungrigen Castingshows zum Fastfood-Fraß vorgeworfen werden. Da drohte also ein entpolitisierter Unterhaltungsklamauk - und das in der Primetime der Öffentlich-Rechtlichen! Doch dann das ZDF: Die ernsthaft mit sich ringenden Jury-Mitglieder Henning Scherf, Günther Jauch und Anke Engelke erinnerten mich eher an eine Auswahlkommission der Studienstiftung des deutschen Volkes als an die Bohlens dieser Trash-TV-Republik. Und für bemerkenswerte, reflektierte und herzerfrischende Kandidaten wie den Münchner Delano Osterbrauck (18) oder seinen gleichaltrigen Kollegen Jacob Schrot aus Brandenburg an der Havel zahle ich meine Fernsehgebühren gerne. Schüler, die für die Politik brennen, die an das Gemeinwohl denken und sich schon in sehr jungen Jahren ehrenamtlich für Parteien engagieren. (weiterlesen…)

Sozialdemokraten sind…: Eine “Spargelfahrt” und zehn Wahrheiten

Mittwoch, 27. Mai 2009 von Frank Müller

Markus Jox schreibt:

Der Rechte will Kanzler werden, die Linke ist schon Königin: Frank-Walter Steinmeier mit Spargelkönigin Karolin.

Der Rechte will Kanzler werden, die Linke ist schon Königin: Frank-Walter Steinmeier mit Spargelkönigin Karolin.

Die Spargelfahrt des Seeheimer-Kreises ist ein Höhepunkt im Feierkalender des politischen Berlin, vor allem aber der SPD. Am Dienstag schipperte die MS Paloma zum 48. Mal über den Wannsee. Natürlich hielten die Granden wieder wahnsinnig politische Reden, natürlich wurde jede Menge Vertrauliches getratscht, und natürlich waren sehr, sehr viele Lobbyisten am Start. Aber auch darüber hinaus ist die Spargelfahrt eine gute Gelegenheit, die SPD mal genauer unter die Lupe zu nehmen. Zehn eher unpolitische Beobachtungen am Rande…

1. Sozialdemokraten leben ungesund: Kaum hat die MS Paloma abgelegt, stürmen die ersten Raucher an Deck, um ihrer Lieblingssucht nachzugehen. Während Finanzminister Steinbrück mächtig unter Zigarillo-Dampf steht, bevorzugt Kanzlerkandidat Steinmeier die Zigarretten-Marke “West”. Und die beiden sind lange nicht die einzigen Raucher unter den Spitzen-Genossen. (weiterlesen…)

FDP ist voll ok!

Samstag, 09. Mai 2009 von Markus Jox

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Markus Jox schreibt:

Oh Gott! Nicht wenige Grüne erschrecken heute auf ihrem Parteitag im Berliner Velodrom und werden kreidebleich, wenn sie auf dem Weg zum Biocatering (oder zum Rauchen) unvermittelt einen - horribile dictu - FDP-Stand erblicken - und von einem lebensgroßen Papp-Westerwelle angegrinst werden. “FDP ist voll o.k.!” schreit ein Slogan von einem Plakat, auf dem die grüne doch tatsächlich die verhasste gelbe Hand ergreift. “Macht mit. gelb-grüne Initiative für Machtperspektiven”, lockt der Stand, der selbstredend nicht von den weitgehend ironieresistenten Parteien selbst, sondern von einem Team der NDR-Sendung extradrei aufgebaut wurde. Moderator Tobi Schlegl interviewt dort die grüne Basis und lässt die gestrengen Ökos anhand hohler Wahlkampffloskeln raten, welcher Satz denn wohl von Grünen-Chef Cem Özdemir und welcher von Westerwelle stammt. Dummerweise hört sich beider Rhetorik mitunter sehr, sehr ähnlich an… (weiterlesen…)