Mit ‘CSU’ getaggte Artikel

Christsoziale Treueschwüre

Mittwoch, 14. Oktober 2009 von Markus Jox

In der CSU wird in diesen Tagen derart viel darüber geredet, dass es in der Partei auf gar keinen Fall eine Personaldiskussion gebe und schon gar nicht über Horst Seehofer, dass höchstwahrscheinlich das glatte Gegenteil zutreffen dürfte. Hier eine Auswahl der schönsten christsozialen Treueschwüre nach dem mauen Ergebnis bei der Bundestagswahl:

Manfred Weber, CSU-Bezirkschef Niederbayern: “Die CSU braucht keine Personaldiskussion. Wir haben eine Führung, hinter der wir alle stehen. Das ist Horst Seehofer.”

Karl-Theodor zu Guttenberg, Bundeswirtschaftsminister (CSU): “Es rumort weniger, als geschrieben wird.”

Joachim Herrmann, Bayerns Innenminister (CSU): „Ich arbeite sehr gut und effektiv mit Horst Seehofer zusammen. Und wenn mir etwas nicht passt, dann sage ich ihm das unter vier Augen.“

Stefan Müller, MdB und Bayerns JU-Chef: “Es wäre völlig falsch, jetzt eine Personaldiskussion zu führen und die Verantwortung bei einzelnen Personen zu suchen.”

Theo Waigel, CSU-Ehrenvorsitzender: “Zu Horst Seehofer gibt es überhaupt keine Alternative. Er ist unbestritten der Parteivorsitzende und Ministerpräsident. Ich halte jede Personaldiskussion für falsch.”

Erwin Huber, Ex-CSU-Chef: “Es gibt keine Personaldiskussion.”

Und was meint Horst Seehofer selbst zu den Treueschwüren seiner Parteifreunde:

„Ach, da sagt der Alois Glück was, da sagt der Theo Waigel was, da sagt der Erwin Huber was, da sagt der Max Straubinger was, und wenn das fertig ist, fängt der Alois Glück wieder an. Meinen Sie, ich setze mich dem aus, um dann hinzuschmeißen? Vielleicht bin ich noch länger im Amt als mancher von denen.“

Hach, geht es in dieser Partei ehrlich und loyal, christlich und sozial zu!

Das wärmt einem nachgerade das Herz in diesen vorwinterlichen Tagen.

Schadenfreude, die

Montag, 28. September 2009 von Annette Zoch

“Damit ist ein Nimbus gebrochen, den wir in Jahrzehnten aufgebaut haben – von Franz Josef Strauß über Theo Waigel bis Edmund Stoiber. Die wesentlichen Ursachen dieses desaströsen CSU-Ergebnisses liegen in Bayern. Die CSU muss wieder eine verlässliche, berechenbare klare Linie finden. Eine kurzfristige Schnäppchenpolitik populistischer Art führt uns nicht weiter.”
Erwin Huber, 28. September, Leipziger Volkszeitung

„Ich denke, wir müssen mehr als Team arbeiten und weniger die Leute ausgrenzen. Das Wahlergebnis ist indiskutabel für eine Volkspartei wie die CSU.“
Erwin Huber, 28. September, ddp

„Das ist nicht nur eine Niederlage, das ist ein Desaster, eine Katastrophe.“
Erwin Huber, 27. September, dpa

„Die Strategie der Angriffe auf die FDP hat dazu geführt, dass die FDP in Bayern stärker ist als im Bundesdurchschnitt. Da muss auch der Parteivorsitzende seinen Beitrag leisten, nicht nur der Bundeswirtschaftsminister.“
Markus Ferber, 28. September, ddp

„Sollte Steinmeier jetzt Parteichef werden?“ „Ich bin dafür, dass wir miteinander einen Vorschlag erarbeiten.“
Kurt Beck, 28. September, Tagesspiegel

Update:

„In der Wahlkampfführung gab es einige Unzulänglichkeiten. Man hätte Rot-Rot stärker angreifen müssen und den Kleinkrieg mit der FDP lassen sollen.“
Erwin Huber, 29. September, Passauer Neue Presse

„Die Wahlkampagne gegen die FDP hat uns nicht genutzt. Das war eine Fehleinschätzung.“
Erwin Huber, 29. September, Deutschlandfunk


Rainer Maria zu Guttenberg

Mittwoch, 23. September 2009 von Annette Zoch

CSU-Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg ist der Rainer Maria Rilke unter den Polit-Lyrikern. Wir haben seine schillerndsten Metaphern einmal zu einer exemplarischen Rede zusammengestellt:

“Meine Damen und Herren, liebe Freunde. Ich freue mich, nach dem märkischen Treibsand in Berlin endlich wieder festen bayerischen Boden unter den Füßen zu haben. Ich könnte hier nun ein 50-seitiges Manuskript meines Ministeriums verlesen. Aber nein, ich spreche hier ohne Manuskript, ich will mein Herz sprechen lassen.

Wo ist denn meine Maß Bier? Wir befinden uns doch hier nicht in einer Quelleneinhausung für Mineralwasser! Ah, das tut gut.
Liebe Freunde, wir brauchen in diesen Zeiten ein gerüttelt Maß an Zuversicht, um nicht mit dem Ofenrohr ins Gebirg zu schauen. Mehr noch, das ist unsere verdammte Pflicht und Schuldigkeit. Einige haben sich am Marktsystem versündigt. Die Milliarde ist volksnah geworden! Mit dieser sozialen Marktwirtschaft ist unser Land nach dem Zweiten Weltkrieg aus Schutt und Asche auferstanden. Wir haben ein gerüttelt Maß an Hausaufgaben vor uns. Die Leitplanken der sozialen Martwirtschaft dürfen nicht in Panik abgerissen werden, sondern müssen in Teilen eingeengt oder auch erweitert werden. Diese Klippe müssen wir umschiffen.

Ich bin bass erstaunt, dass sich Kassandra derzeit ihrer Liebhaber kaum erwehren kann. Aber ich sage Ihnen:  Wer abends mit Kassandra ins Bett geht, der muss sich nicht wundern, wenn ihm am nächsten Tag Mundgeruch entgegenschlägt. Wenn man weiß, dass einem das Wasser bis zum Halse steht, ist es außerordentlich unklug, den Kopf hängen zu lassen. Wir dürfen erhobenen Hauptes, mit gesundem Selbstbewusstsein, aber ohne Hochmut durch die Krise gehen.

Herrgottnochmal, es muss in der Politik doch möglich sein, eine eigene Meinung zu haben! Ich werde mir das Maul nicht verbieten lassen.  Ich werde mir mein gerüttelt Maß an Bodenhaftung bewahren.  Da bricht uns doch kein Zacken aus der wohlpolierten Krone. Verdammt noch mal! Zum Abreagieren spiele ich dann gerne einen Boogie-Woogie, zum Auftanken Mozart und manchmal auch Bruce Springsteen. Aber das darf nur die ultissima ratio sein.”

Gutti Besserung!

Dienstag, 22. September 2009 von Annette Zoch

guttenbergAm Montag hat sich Bundeswirtschaftsminister KT zu Guttenberg bei der Vorstellung des CSU-Sofortprogramms wegen Krankheit entschuldigen lassen. Eine böse Grippe, hieß es. Kein Wunder, so verschwitzt wie der CSU-Shootingstar nach seinen Bierzeltauftritten immer ist, da musste die Erkältung ja irgendwann kommen. Am Abend war Guttenberg aber wieder fit und machte Wahlkampf in Oberfranken. Am Dienstag bei der Opel-Sitzung des Bundestags-Wirtschaftsausschusses fehlte von Gutti dann wiederum jede Spur. Merke: Eine Erkältung sollte man anständig auskurieren, sonst gibt’s einen Rückfall!

Die FDP versucht’s mit Ironie

Montag, 14. September 2009 von Markus Jox

Guck mal einer an, die JuLis: Ausgerechnet die Nachwuchstruppe der Ober-Spaßbremse Westerwelle (Staatsmann in spe) hat jetzt ein Wahlwerbe-Video veröffentlicht, das sich des Stilmittels der Selbstironie bedient. Und hübsch augenzwinkernd die eigenen Klischees traktiert.

Schade nur, dass das Video nach exakt einer Minute plötzlich abrupt ins ernsthafte Fach wechselt und der Sprecher mit erhobenem Zeigefinger trompetet: “Wir sind die einzigen, die zentrale Freiheitseinschränkungen der letzten Jahre wieder zurücknehmen werden.”

Dabei wäre es doch konsequent gewesen, die Ironie bis zum Ende durchzuhalten. Und etwa so zu enden:

“Wir sind die einzigen, die zentrale Freiheitseinschränkungen der letzten Jahre wieder zurücknehmen werden. Deshalb wollen wir ab dem 27. September unbedingt mit Wolfgang Schäuble und den freiheitsliebenden Jungs von der CSU koalieren.”

Auf den Hund gekommen

Mittwoch, 09. September 2009 von Annette Zoch

In den vergangenen Tagen haben wir ja immer wieder besonders schöne Wahlkampf-Lyrik vorgestellt. Dieser Spot hier ist allerdings profane Prosa. Er stammt vom CSU-Bundestagsabgeordneten Hartmut Koschyk. Beziehungsweise, von dessen Hund. Und er beginnt mit den - äh - Worten: “Wuhuuuuuuu - wuhuuuu - hoffentlich ist die Wahl bald vorbei, hechel hechel. Damit mein Herrchen auch mal wieder mehr Zeit für mich hat.”

Okay. Jetzt höre ich mir auch gerne an, wie Frau Merkel über die Relevanz ihrer Frisur plaudert. Jetzt sind alle anderen Wahlspots nur noch halb so schlimm. Vielen Dank, Hartmut Koschyk. Sie haben ihrer Fraktion einen großen Dienst erwiesen.

An irgendwas erinnert uns das Gentechnik-Logo…

Dienstag, 11. August 2009 von Frank Müller

Hat eigentlich außer uns noch jemand bei dieser Vorstellung des neuen Gentechnik-Verbraucherlogos durch Landwirtschaftsministerin Aigner …

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… eine etwas andere Vision gehabt? (weiterlesen…)

Paulis politisches Ende

Freitag, 31. Juli 2009 von Frank Müller

Frank Müller schreibt:

Ist Gabriele Pauli noch satisfaktionsfähig? Die CSU aus lauter Hybris verlassen. Mit einer neuen Gruppierung in den Landtag gegangen. Dort offenbar binnen kürzester Zeit die Lust verloren. Neue Partei gegründet. Auftakt im Chaos, sich schon am ersten Tag zweimal wählen lassen müssen, damit alles seine Richtigkeit hat. Dann Teile des Vorstands entmachtet und neuen Parteitag nach einigen Wochen einberufen. Dort kurz vor Handgreiflichkeiten die Presse rausgeworfen. Dann, was heute herauskam: zu guter Letzt alles aus eigener Kraft versiebt und vergessen, das entscheidende Formular zu unterschreiben mit dem Fazit: alles aus, kein Antritt bei der Bundestagswahl. (weiterlesen…)

Der unaufhaltsame Aufstieg des KT zu G.

Freitag, 24. Juli 2009 von Markus Jox

Markus Jox schreibt:

Jetzt ist es also soweit: Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg stürzt seine Chefin Angela Merkel laut ZDF-Politbarometer vom Thron des beliebtesten Politikers in Deutschland - der Kanzlerbonus ist dahin. Die Reaktionen darauf fallen im Web 2.0 ebenso gespalten aus wie bei uns der Redaktion: “Warum fallen nur alle auf diesen schmierigen Adels-Schnösel rein”, fragen die einen. Andere wiederum schwärmen glutäugig von einem Politiker, der nicht nur “cool, jung und absolut authentisch” sei, sondern “auch mal ein rosa Hemd anziehen und trotzdem männlich wirken kann”. Und die ersten CSU-Politiker fangen an, ihre Fieberträume über einen Bundeskanzler zu Guttenberg öffentlich zu machen. (weiterlesen…)

Kein Gesicht zeigen!

Donnerstag, 02. Juli 2009 von Annette Zoch

Annette Zoch schreibt:

Nach den teilweise heftigen Debatten über die Ansehnlichkeit von Politikern in diesem Blog bauen einige Abgeordneten-Kollegen im Bundestagswahlkampf offenbar vor. Der neue Plakatetrend heißt: Besser kein Gesicht zeigen!

singhammerPosselts CSU-Kollege Johannes Singhammer erfreut München derzeit mit einem hübschen Bilderrätsel: Ein paar Noten, ein Hammer, naa, naa, hihi, wer wird hier wohl gemeint sein? Um die teuren Plakate nicht ganz am verwirrten Wahlvolk vorbei gedruckt zu haben, steht der Name aber zur Sicherheit nochmal da.

Was ließen sich da für lustige Rätsel-Plakate basteln! Zum Beispiel: eine Kuh, ein Ast, dazwischen ein N und noch zwei Punkte - naa? Oder: Ei-Wanger! Tritt-I(h)n! Der ganze Wahlkampf ein einziger Ratespaß! (weiterlesen…)

“Jetzt haben Sie einen gekillt”

Donnerstag, 18. Juni 2009 von Annette Zoch

Annette Zoch schreibt:

Jetzt muss ich mal Lob loswerden. Über den ersten Parlamentarischen Computerspiel-Abend gestern im Bayerischen Landtag, auf Einladung von CSU-Medienpolitiker Eberhard Sinner. Okay, es war kaum ein Abgeordneter da. Eine Handvoll CSUler, ein paar Sozis, einige versprengte Grüne, zwei von der FDP, von den Freien Wählern gar niemand. Aber der Wille zählt ja. Bevor man, wie in Polit-Kreisen weit verbreitet, mantra-artig Computerspiele verdammt, sollte man sie sich vielleicht mal anschauen. So geschehen gestern Abend. (weiterlesen…)

Die Qual der Wahl

Samstag, 06. Juni 2009 von Markus Jox

Markus Jox schreibt:

Gerade eben hat mir eine Münchner Freundin im Facebook-Chat die Gretchen-Frage für einen Politikredakteur gestellt: “Was würdest du mir raten zu wählen morgen? Du hast drei Sekunden Zeit.” “Puh”, hab ich da geantwortet und sie, um kostbare Zeit zum Überlegen zu gewinnen, erst mal ganz politisch korrekt darauf hingewiesen, dass es am Allerwichtigsten sei, überhaupt wählen zu gehen. Das hat mir schon mein Sozialkundelehrer in der Mittelstufe erfolgreich eingetrichtert. Die Freundin wiederum, eine kluge, witzige Frau, brachte ihr Dilemma in Twitter-Tweet-Länge knackig auf den Punkt: “Mein Herz schlägt grün, aber mein Gehaltszettel sagt FDP.”

Was aber soll ich ihr guten Gewissens raten? (weiterlesen…)

Posselt wird jetzt berühmt

Samstag, 30. Mai 2009 von Frank Müller

Frank Müller schreibt:

Bernd Posselt ist ja schon seit einiger Zeit unser bester freier Mitarbeiter hier bei der Hopfen-Post – wir erinnern nur kurz an dies, das und jenes. War eigentlich also nur eine Frage der Zeit, bis er richtig berühmt werden würde. Jetzt hat er’s geschafft: Im ZDF wurde live und auf offener Bühne ein Posselt-Plakat entrollt.  (weiterlesen…)

Ladenhüter! Billige Ladenhüter!

Freitag, 29. Mai 2009 von Anja Timmermann

Anja Timmermann schreibt:

Stellen Sie sich vor, die CSU fordert eine Autobahnmaut! Wie revolutionär! Wie innovativ! Als die Meldung heute kam, dachte ich kurz,  unser Agentursystem würde mittlerweile ernsthaft haken und uns die Meldungen von Mai 2006 nochmal vorspielen. Aber nein, sie war wirklich von heute! Anders als in dem hübschen US-Film mit dem Murmeltier grüßt die Autobahnmaut dankenswerterweise noch nicht täglich, aber unser Archivsystem weist seit 1. Februar 2001 immerhin 156 Artikel zum Thema “CSU fordert eine Autobahnmaut” aus. (weiterlesen…)

Hopfenpost goes Posselt

Freitag, 15. Mai 2009 von Anja Timmermann

Anja Timmermann schreibt:

Da war ich nun gestern Abend bei einer Veranstaltung mit Herrn Posselt. Die Münchner CSU hatte mich nach dem ersten Blog (”Der hässliche Politiker”) derart freundlich dazu eingeladen (”Dem Esel ist die Eselin das Schönste”), mich doch auch mal mit seinen inneren Werten auseinanderzusetzen, dass ich natürlich hingehen musste. Vorweg schon mal: Es war ein friedvoller Abend ohne Verletzte zum Thema Oberweite und EU-Erweiterung. (weiterlesen…)

Hut ab

Samstag, 09. Mai 2009 von Anja Timmermann

Anja Timmermann schreibt:

Na sowas: Die CSU München lädt mich mit einer sehr freundlichen und witzigen Mail zu einer Veranstaltung mit Bernd Posselt ein. Nachdem ich “seine äußere Hülle nun schon beleuchtet” hätte, könnte ich jetzt ja mal hören, was er so zu sagen hat, schreiben sie. Da haben sie selbstverständlich  recht - ich geh natürlich hin.

Beim Teutates!

Donnerstag, 07. Mai 2009 von Annette Zoch

Annette Zoch schreibt:

Es ist ungefähr drei Nanosekunden her, da kannte noch kein Mensch den Spitzenkandidaten der CSU für die Europawahl. Doch nachdem Markus Ferber nun sogar auf die Wahlplakate darf, will er auch ein bisschen seine Bekanntheit pushen.

Jetzt gibt’s also das neue Online-Video. Stargast: Markus „Asterix“ Ferber! Tapferer Angehöriger des Volkes der unbeugsamen Bajuwaren. Sie essen zwar keine ganzen Wildschweine, dafür aber ganze Haxn. Sie trinken gerne und viel Zaubertrank (Wiesn!),  sie haben Angst, dass ihnen am 7. Juni der weiß-blaue Himmel auf den Kopf fällt, und sie haben sogar ihren eigenen Troubadix (Söder).

Zum Glück gibt’s den Asterix Ferber! Er ist der „pfiffige Kämpfer, der sich mit seinen Freunden die Brüsseler Cäsaren vorknöpft“. Ja genau, die spinnen, die Brüsseler! Und so stapft Asterix Ferber im Lodengewand (weiterlesen…)

Hässlich?!

Mittwoch, 06. Mai 2009 von Anja Timmermann

Anja Timmermann schreibt:

Da hat mein erster Blog-Beitrag ja eine ganz schön heftige Debatte ausgelöst (übrigens auch innerhalb und außerhalb der Redaktion).  Aber bitte gerne, dann stellen wir uns der Debatte.

Zunächst: Ich habe nicht im mindesten etwas gegen dicke und hässliche Menschen. Unter dicken Menschen gibt es  genau so viele kluge, dumme, hinterhältige, liebenswerte, lustige oder sauertöpfische Exemplare wie unter ihren Mitbürgern mit weniger Kilos (wobei es sogar sein könnte, dass bei den Dünnen, die gerade Diät halten, sogar noch mehr Schlechtgelaunte sind). Und wie mehrere Kommentatoren zu Recht anmerken, gehören auch die vier Blogger auf dem Foto ebenfalls nicht zu den fünf Topmodels dieser Welt, sondern zu den 6,5 Milliarden anderen.

Ernsthaft: Selbstverständlich können mollige Menschen brillante Politiker sein - (weiterlesen…)

Abwärts mit der CSU

Dienstag, 05. Mai 2009 von Annette Zoch

Annette Zoch schreibt:

Dass die CSU vor dem Ausgang der Europawahl zittert, das ist ja inzwischen hinlänglich bekannt. Dass CSUler aber mittlerweile bereit sind, für die Wahl Kopf und Kragen zu riskieren – das ist neu.
Der Spitzenkandidat der Münchner JU, Frank Gübner, plant ein ganz spezielles Wahlkampf-Event: Einen Fallschirmsprung!

Frank Gübner, JU-Spitzenkandidat für München

Frank Gübner, JU-Spitzenkandidat für München

Ausgerechnet an Christi Himmelfahrt wollen sich Gübner und einige JUler über dem Allgäu aus einem Flugzeug stürzen. Das ganze wird dann gefilmt und mit fetziger Musik unterlegt als Wahlkampf-Video auf YouTube eingestellt. Titel der krassen Aktion: „European-Election-Skydive 2009“.
Wie’s läuft? Mit einem Flieger geht’s 4000 Meter in die Höhe. Dann, so die Ankündigung im JU-Newsletter, „beginnt der eigentliche Genuss: Fest verbunden mit einem erfahrenen Tandemmaster springt ihr aus dem Flugzeug. Der anschließende freie Fall mit ca. 200 km/h dauert fast eine Minute. Es winken Ruhm, Spaß und Glücksgefühl für alle Springer.“

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Der hässliche Politiker

Montag, 04. Mai 2009 von Anja Timmermann

Anja Timmermann schreibt:
Nein, politische Wahlen sind KEIN Schönheitswettbewerb. Sonst hätten schon Roland Koch und Thorsten Schäfer-Gümbel nicht gegeneinander antreten dürfen, und an Kurt Beck wollen wir lieber gar nicht mehr denken. Aber was da momentan in München rumhängt, ist auch unter dieser wohlwollenden Annahme äußerst grenzwertig: die Plakate von Bernd Posselt.

Posselt

Sie verstehen? Und nun diskutieren wir hier ganz ernsthaft: Kann man die Hässlichkeit eines Politikers zum Thema machen? Oder ist das gemein und diskriminierend und oberflächlich? Gibt es einen Grad von Hässlichkeit, ab dem sie thematsieren darf, ja muss? Muss man unterscheiden zwischen angeborener und selbstverschuldeter Hässlichkeit? Nutzt hier jemand sein bizarres Aussehen, um überhaupt Aufmerksamkeit zu wecken? Oder ist es vielmehr ein Zeichen von beneidenswertem In-Sich-Ruhen, wenn jemand mit einem Erscheinungsbild wie Bernd Posselt die Stadt mit Ganz-Kopf-Plakaten von sich zupflastert?

Denn: Er muss ja nicht. Genauso gut könnte er Slogans auf seine Plakate drucken, also aus schlichten, klassischen Buchstaben, garniert mit ein paar grafischen Elementen, sagen wir ein paar EU-Sternchen und dem bayerischen CSU-Löwen oder so, und dann das Foto klitzeklein im Eck. Nein. Macht er nicht. Stattdessen grinst einen fast meterhoch von jeder Straßenecke dieses absonderliche Mondgesicht an, die Speckwülste, die aus dem Hemdkragen hervorquellen, die dünnen schwarzen Härchen, die eine Art Schnurrbart bilden sollen, die ganze Anmutung des Retro-Bauernschädels.

Und ehrlich gesagt: Ein Thema ist es. Drei Mal haben mich bisher – nicht professionell mit Politik beschäftigte – Bekannte auf die EU-Wahl angesprochen. In 100 Prozent aller Fälle wollten sie von mir wissen, wer der „krasse Typ da auf dem Plakat“ ist. Eine Freundin hat sich so erschrocken, als sie das erste Mal einen Posselt-Ständer gesehen hat, dass sie fast vom Fahrrad gefallen wär. Eine kulturinteressierte Bekannte fand es hochfaszinierend, quasi eine Art Kunst im öffentlichen Raum, eine pseudo-reale Überhöhung (oder so). Bin nicht sicher, ob sie realisiert hat, dass es gar nicht als Persiflage gemeint ist. Und ein Nachbar, der selbst einige nicht zwingend nötige Kilos mit sich herumträgt, ist total begeistert: Seitdem sowas auf den Straßen rumhängt, traut er sich auch wieder offensiver unters Volk.

Aber nun zu unserer Diskussion, ob wir’s in der Zeitung bringen. Da gibt es die (leicht feministische) Gedankenschule: Wenn man über die Schweißflecken von Angela Merkel berichtet, dann auch über das Gesicht von Bernd Posselt (wobei man Merkel zugute halten muss, dass sie die Schweißflecken nicht von sich aus plakatiert hat). Dann gibt es die ernsthafte inhaltliche Argumentationslinie, dass auch halslose Menschen potentiell gute Politik machen können (wobei man hier ebenso ernsthaft entgegnen kann, dass das ewiggestrige, revanchistische, tümelnde Kampfsudetendeutschentum - dem auch Herr Posselt fröhnt – nach Meinung der Autorin nicht die Kriterien für gute Politik erfüllt).

Und schließlich die journalistisch-ausdifferenzierte Betrachtungsweise: Wo ist es noch Privatsache – wo wird es politisch? Sprich: An wie viel Hässlichkeit ist man selbst schuld? Für die grundsätzlichen Gesichtszüge kann nun wirklich niemand was – wie soll man auch steuern, welche Koalitionen die Eltern-Gene spaßeshalber eingehen. Auf den Umfang des Gesichts (oder auch des Halses) hat man selbst mittelfristig durchaus Einfluss. Wobei tatsächlich zugestanden werden muss, dass Appetit bei Tisch und Qualität der Politik sich nicht negativ beeinflussen müssen – siehe auch Joschka Fischer im Vergleich zu George Bush. Und völlig in eigener Hand liegt die Gestaltung der Haartracht: Niemand ist gezwungen, ein Adolf-Bärtchen zu tragen und die dunklen Haare schräg über die Stirn gescheitelt (wobei es auf älteren Fotos noch deutlicher war). Und erst recht nicht, sein Gesicht als zentrale Wahlkampfaussage zu verkaufen.

Wir haben bei der CSU mal unauffällig nachgefragt, ob es Versuche gab, Posselts Plakate zu entschärfen. Naja, heißt es da gequält, sie seien immerhin auf das Stadtgebiet Münchens beschränkt. Ob man vielleicht Guttenberg stattdessen plakatieren könnte? Keine Chance. Nicht mal Söder. Und so bleibt er denn nun: Bernd Posselt, die Susan Boyle der CSU. Mutmaßlich minus das Gesangstalent.