Finanzminister müssen harte Hunde sein, sonst nimmt sie keiner ernst. So macht auch Wolfgang Schäuble derzeit relativ nahtlos dort weiter, wo Peer Steinbrück aufgehört hatte. Was man aber dennoch vermisst am Kabinettstisch, ist der böse Witz, das terrierhafte Zubeißen, das den Finanzminister der großen Koalition ausgezeichnet hatte. Am Freitag setzte sich Steinbrücks Rückzug auf Raten fort. Zum Auftakt des dreitägigen Dresdner Krisenparteitag der SPD gab der 62-jährige Hamburger das Amt des Parteivizes auf und ist damit nur noch einfacher Bundestagsabgeordneter.
Das schmälert einerseits den Unterhaltungswert der Politik, andererseits erspart es Deutschland künftig womöglich diplomatische Krisen wie die mit der Schweiz im Frühjahr. Im Streit um Steueroasen hatte Steinbrück dem Land mit der Kavallerie gedroht und an das Schicksal der Indianer erinnert.
Und während die SPD-Delegierten am Sonntag Erhard Eppler und Sigmar Gabriel lauschen, genießt Steinbrück seine neue Freiheit ebenso demonstrativ wie schrullig: Er hält in München die Laudatio auf Waldemar Hartmann, der von der Münchner Faschingsgesellschaft Narrhalla den Sigi-Sommer-Taler bekommt. Steinbrück hätte ihn auch verdient. Die SPD werde es ihm sicher verzeihen, wenn er die Ereignisse des Sonntags auf dem Parteitag nur aus der Ferne wahrnehme, meint er im Interview hintersinnig.


